Bouzkachi: ein Spiel aus Raserei und Staub

Fotos von Todd AntonyText von Iris Lambert
Bouzkachi-Reiter in Tadschikistan
Foto: Todd Antony
Todd Antonys preisgekrönte Serie zeigt Bouzkachi in Tadschikistan: Hunderte Reiter, aufgewirbelter Staub und ein Ziegenkörper im Zentrum eines kompromisslosen Spiels.

«Durch das Gewimmel von Waden, Knien und Knöcheln […] tauchten, krebsrot, verzerrt und von der Anstrengung verwildert, Gesichter auf, die Münder zu unablässigen Schreien aufgerissen; Gesichter, kopfüber hängend, fast den Boden berührend, und Hände, zu krummen Klauen verkrampft, die über die Erde scharrten. So suchten die Reiter, aus ihren Sätteln herabstürzend, nach dem Kadaver der Ziege …»

Auf der Ladefläche eines Lastwagens stehend, überwältigt von der Wucht des Ansturms der Tschopendoz, schliesst Joseph Kessel plötzlich die Augen. Es ist 1956, irgendwo in Afghanistan, und der Schriftsteller erlebt zum ersten Mal ein Bouzkachi. Das Reiterspiel wird ihn nicht mehr loslassen: Aus dem Erlebnis entstehen die Erzählung Le Jeu du roi, das Drehbuch zum Film La Passe du diable von Jacques Dupont und Pierre Schoendoerffer und später der Roman Les Cavaliers.

Ein Gewitter aus Hufen

Fast siebzig Jahre später hält der neuseeländische Fotograf Todd Antony in Tadschikistan dieselbe rohe Energie fest. Seine Serie Buzkashi gewann bei den Sony World Photography Awards 2026 den ersten Preis in der Kategorie «Sport». In der von Antony dokumentierten tadschikischen Variante gibt es keine festen Teams und keine starren Spielfeldgrenzen. Die Reiter versuchen, den ausgenommenen und geköpften Ziegenkörper – rund 30 bis 50 Kilogramm schwer – aus dem Gedränge zu lösen und über eine mit Heu markierte Ziellinie zu bringen.

In den Staubwolken und im dumpfen Donner von Hunderten Hufen versucht auch der Fotograf, dem Chaos für einen Augenblick eine Form abzuringen. Antony beschreibt darin eine Parallele zum Spiel selbst: Die Reiter kämpfen um einen kurzen Moment der Kontrolle; er sucht mit der Kamera nach genau diesem flüchtigen Punkt, an dem sich das Getümmel ordnet.

Für die Bildsprache hatte Antony historische Schlachtengemälde im Kopf: sich aufbäumende Pferde, Rauch und dicht gedrängte Körper. Seine Fotografien übersetzen diese Motive in die Gegenwart. Vor dunklem Himmel, zwischen Staub und Kohlerauch, erinnern einzelne Pferdeprofile beinahe an das schreiende Tier im Zentrum von Picassos Guernica. Gerade dieser Wechsel zwischen dokumentarischer Nähe und bewusst komponierter Dramatik macht die Serie so eindringlich.